Einführung in Usability

Rathes Sachchithananthan — 22.Jun.2015
in Web

Dieser Beitrag befasst sich in aller Kürze mit dem Thema „Usability“. Es ist eine einfache Einführung in Usability. Geeignet für jeden, der sich selbst mit dem Thema befassen will oder muss.

Ich selbst befasse mich seit einiger Zeit mit dem Thema. Angefangen hat es mit dem einfachen Fach „Usability Engineering“ an der Uni in Ulm. Aber damals fand ich die Vorlesung einfach langweilig, dass ich nicht so richtig in das Thema kam. Aber mit der Entwicklung von eigener Software – gerade aktuell die Entwicklung einer Lernplattform – musste ich mich mit dem Thema Usability beschäftigen. Mein Steckenpferd in der Software-Entwicklung ist das Thema „Requirements Engineering“ und „Usablity Engineering“ ist einfach ein spezieller Part davon. Gepackt hat mich im Endeffekt Don Norman und die Videos, die man von ihm zu diesem Thema findet. Der Typ ist einfach genial!

Usability: The Design of Everyday Things
Das Buch „The Design of Everyday Things“ kann ich jedem interessierten sehr empfehlen!

Okay, fangen wir mal mit dem Thema an:

Was ist Usability?

Fangen wir damit an, dass wir uns fragen, was denn Usability überhaupt ist. Was bedeutet der Begriff? Was ist die deutsche Bezeichnung dafür? Wie definiert man Usability? Mit Antworten auf diese Fragen steigen wir in das Thema ein und werden auf diese Punkte im Laufe des Beitrags, aber auch in weiteren Beiträgen zu diesem Thema darauf zurückkommen.

Begriff

Der Begriff Usability ist englisch. Klar. Das Wort kann man auch anders schreiben: Useability. Aus dem Wort kann man die beiden Begriffe Use und Ability ableiten. Usability ist also die Fähigkeit (Ability) etwas zu Benutzen (Use).

Im Deutschen sagt man dazu „Gebrauchstauglichkeit“ oder auch „Benutzerfreundlichkeit“. Es gibt im Englischen auch die Bezeichnung „user-friendly“ für „benutzerfreundlich“. Usability bedeutet Benutzerfreundlichkeit. Ich werde im Folgenden weiterhin den Begriff „Usability“ verwenden, vielleicht auch mal Benutzerfreundlichkeit, aber „Gebrauchstauglichkeit“ hört sich wirklich sehr fremd an.

Definition von Usability

Usability kann man als Merkmal definieren, das zeigt wie gut etwas benutzt werden kann. In der Software-Ecke wie gut ein User-Interface benutzt werden kann, aber auch außerhalb des Software-Bereiches gibt es Usability. Eine Tür hat Usability, eine Teekanne hat Usability, alles, was man benutzen kann, hat Usability.

Usability eines Produktes ist das Ausmaß, in dem es von einem bestimmten Benutzer verwendet werden kann, um bestimmte Ziele in einem bestimmten Kontext effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen. – DIN EN ISO 9241 (Teil 11)

Die ISO-Norm beschreibt – wie ich oben auch – die Usability als ein Merkmal, das die Qualität der Benutzbarkeit eines Produktes beschreibt. Es gibt fünf Komponenten für Usability.

  1. Erlernbarkeit (Learnability): Wie einfach kann man die Aufgaben ausführen, wenn man das erste Mal vor dem Produkt sitzt?
  2. Effizienz (efficiency): Wenn man sich mit dem Produkt auskennt, wie schnell kann man dann die Aufgaben ausführen?
  3. Einprägsamkeit (memorability): Wenn man nach langer Zeit wieder mit dem Produkt arbeitet, wie schnell ist man wieder damit vertraut?
  4. Fehler/Fehlerbehandlung (errors): Wie viele (verschiedene) Fehler macht man mit dem Produkt und wie kommt man mit dem Fehlern zurecht?
  5. Zufriedenheit (satisfaction): Wie zufrieden ist der Benutzer mit dem Produkt in der Benutzung?

Diese fünf Komponenten helfen dabei die Qualität der Benutzbarkeit, also Usability, zu ermitteln.

Usability & Utility

Nicht verwechselt werden sollte Usability mit der Utility! Utility – auf Deutsch würde ich das mit Nützlichkeit übersetzen – beantwortet die Frage, ob das Produkt das liefert, was du brauchst, ob es nützlich ist. In diesen Bereich kommen dann auch Aspekte der Funktionalität.

Die Usability beschäftigt sich mit der Qualität der Nutzbarkeit. Wie gut kann man das nutzen, was das Produkt liefert. Ein Produkt kann zwar vollkommen nutzlos sein, aber trotzdem sehr gut nutzbar. Hört sich schräg an, ist aber so. Beides zusammen ist dann die Antwort auf die Frage, ob das Produkt hilfreich ist. Ein Produkt ist genau dann hilfreich, wenn es nützlich und gut nutzbar ist.

Warum Usability im Web?

Jetzt, nachdem wir wissen, was Usability ist, stellen wir uns die Frage, warum wir das überhaupt brauchen. Wahrscheinlich denkst du dir, dass das doch klar ist, dass ein Produkt gut nutzbar sein muss, aber viele Leute sehen es oft nicht ein, dass Usability so einen hohen Stellenwert hat, wenn sie selbst Usability Engineering im Projekt integrieren müssen und feststellen, dass das doch einiges an Ressourcen verlangt.

Eine schlecht bedienbare Seite ist nichts wert.

Eine gute Bedienbarkeit ist Pflicht! Denn ansonsten ist der Benutzer des Produktes schnell weg. Ist die Webseite zu kompliziert? Der User ist weg. Hab der User sich auf deiner Webseite verlaufen? Der User ist weg. Kann er deine Webseite nicht ordentlich bedienen? Der User ist weg. Dauert ihm alles zu lange und findet er deine Webseite anstrengend? Der User ist weg. Und wenn der User weg ist, dann kommt er auch nicht so schnell wieder. Er kann sich nämlich noch lange daran erinnern, dass deine Webseite nicht so gut war.

Was lernen wir? Eine schlecht bedienbare Webseite verliert User, ohne User verdient man nichts an der Seite und daraus folgt: Eine schlecht bedienbare Seite ist nichts wert.

Und was ist mit Software, die nicht von Usern abhängig ist, sondern intern benutzt wird?  Da ist Usability genau so wichtig, wie auch im normalen Web. Es beeinflusst nämlich diejenigen, die die Software benutzen. Je schlechter die Usability, desto schlechter die Produktivität der Leute, die dieses Produkt benutzen. Je schlechter die Produktivität, desto schlechter der Gewinn. Daraus folgt wie oben, dass System dann kaum was wert ist. Was ich damit sagen will ist, dass man sehr viel Wert auf Usability legen sollte, wenn man ein Projekt angeht.

Wie Usability testen?

Wenn das Projekt bereits einmal steht, kann man natürlich dieses Projekt auch aufbessern. Um Usability zu testen, gibt es viele Varianten, aber die wohl für Ewigkeiten beste Lösung werden vernünftige User-Tests sein. Folgende drei Schritte fassen User-Tests zusammen:

  1. Passende User finden
  2. User die Aufgaben des Produktes durchführen lassen
  3. Beobachten

Wichtig hierbei ist, dass das Beobachten wirklich auch beim Beobachten bleibt. Jeder kleinste Eingriff bedeutet Manipulation des Tests und führt zu Ergebnissen, die extrem von der Wirklichkeit abweichen können.

Wie man Usability verbessern kann

Die Test-Ergebnisse zeigen direkt auf, was am System verbessert werden muss. Aber man kann im Voraus bereits sagen, was verbessert werden muss. Nämlich immer eines der Komponenten, die für Usability zuständig sind. Und durch das Optimieren dieser Komponenten kann man Usability natürlich auch verbessern.

  1. Produkt besser erlernbar machen
  2. die Effizienz des Produktes erhöhen, indem man das System schneller bedienbar macht
  3. das Produkt einprägsamer machen
  4. Weniger Möglichkeiten für Fehler zulassen und wenn Fehler auftreten diese vernünftig behandelt
  5. Ein besseres Gefühl bei Nutzer schaffen

Es gibt viele verschiedene Maßnahmen, um die oben genannten Ziele zu erreichen. In kommenden Artikeln werde ich diese vorstellen und näher erläutern.

Fazit & Disclaimer

Wie ihr seht ist das Thema Usability kein zu unterschätzender Part bei der Entwicklung von Produkten. Das gilt nicht nur für Software, sondern generell für alle Produkte, die benutzt werden sollen. Wenn man bei der Entwicklung am Anfang genug in gute Usability investiert, dann hat man in der Produktion keine großartigen Probleme. Andersrum, wenn man zu spät in Usability investiert, führt meist dazu, dass man das Produkt komplett neu aufsetzen muss, da viele weitere Faktoren vom Produkt abhängig sein werden. Nehmen wir wieder die Tür. Wenn man nach der Fertigstellung merkt, dass für den kleinen Raum eine Schiebetür doch viel geeigneter ist als die normal zu öffnende Tür, dann muss man nicht nur eine Tür neubauen, sondern auch den Rahmen und man muss wahrscheinlich auch die Wand drum herum nochmal umbauen, damit das ganze Schiebetür-fähig wird. Das kann teuer werden.

So viel zur Einführung. Die Details zu den einzelnen Aspekten werden in kommenden Artikeln veröffentlicht. Und zum „Disclaimer“: Wenn du dich mit dem Thema Usability bereits auskennst, dann hast du dir bestimmt Folgendes gedacht: Wie kann der Typ so eine Webseite haben und dann von Usability sprechen? Du hast in der Tat das Recht dazu so zu denken. Der Blog „Web und die Welt“ wurde damals innerhalb von wenigen Stunden ohne groß nachzudenken aus dem Boden gestampft und so wurden viele Details in Sachen Usability gar nicht beachtet. Zwar habe ich aus der Erfahrung heraus eine Webseite geschaffen, die sich recht gut bedienen lässt, aber man sieht sofort, dass einige Details nicht stimmen. Diese werde ich nutzen und mit den kommenden Artikeln verbessern. So hab ich direkt ein Beispiel, woran ich dir in Zukunft zeigen kann, was man alles bedenken muss und wo man immer wieder optimieren kann.

Rathes Sachchithananthan

Rathes Sachchithananthan

Hi, ich bin Rathes. Gründer dieses Blogs. Darüber hinaus habe ich Aheenam gegründet, eine Agentur für digitale Lösungen. Dort konzipiere und entwickle ich die digitale Weiterentwicklung meiner Kunden. Ich brenne für das Thema "Tamilen und Tamil Eelam" und bin ein Microsoft-Fanboy. Du findest mich auch auf diversen sozialen Netzwerken

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