10 Aussagen von mir, die einige Eigenschaften von mir aufzeigen

Rathes Sachchithananthan — 28.Feb.2015
in Tamil,Welt

Ich bin erst 22, werde im April 23. Dafür habe ich schon verdammt viel erlebt, verdammt viele Leute kennengelernt und verdammt viel Erfahrung im Leben gesammelt. Und manchmal, wenn ich mich mit Menschen unterhalte, haue ich Aussagen raus, bei denen ich mir im Nachhinein denke „Alter wie dumm war dieser Spruch denn gerade?“. Meistens spreche ich nämlich erst nach Gefühl und denke erst dann darüber nach. Kann manchmal von Nachteil sein, aber oft auch von Vorteil. Der größte Vorteil ist, dass die Menschen verdammt schnell merken, was die an mir haben und was nicht. Ich bin nämlich direkt und offen. Ich habe mir in den letzten Wochen mal Gedanken dazu gemacht und mir einige Aussagen von mir notiert, die ich echt intelligent finde. Ich weiß meistens nicht, von wem ich diese Aussagen aufgeschnappt habe oder wie diese Denkweise bei mir entstanden ist. Aber diese Aussagen beschreiben mich echt gut.

1. Solange ich noch lebe ist die LTTE noch nicht komplett ausgelöscht.

Diese Aussage findet man auch in der „Über mich“-Rubrik. Ich benutze diese Aussage oft. Irgendwie hat man, wenn man diese Aussage einfach so hört, das Gefühl, dass die von einem Fanatiker kommen muss. Wer mich kennt weiß aber, dass ich unter LTTE im ersten Gedanken nicht den Krieg gegen die Regierung habe, sondern die Ideologie für ein friedliches unabhängiges Land für die Tamilen. Ich bin von der Ideologie der LTTE überzeugt, dass man eine Unabhängigkeit erstreben muss, da diese die einzige Lösung ist, in der die Tamilen ohne Nachteile ein friedliches Leben führen können.

2. Ich wurde auf fremdem Boden geboren, sterben will ich zu Hause.

Das ist auch ne krasse Aussage. Ich bin zwar erst 22, aber habe mir schon viele Gedanken über den Tod gemacht. Über meinen Tod. Ich habe in meinem bisher kurzen Leben schon so viele Menschen verloren und jedes Mal habe ich mir Gedanken dazu gemacht wie es wäre, wenn ich sterben würde. Ich habe mir schon viele Szenarien im Kopf durchgehen lassen. Und ich habe sogar einen Wunsch wie ich sterben will. Nämlich zu Hause. In Tamil Eelam.

Ich bin hier in Deutschland geboren, ich bin hier aufgewachsen und werde wahrscheinlich auch noch einige Jahre hier verbringen. Ich bin hier zur Schule gegangen, hier einen Universitätsabschluss gemacht und werde wahrscheinlich in Zukunft auch meine Karriere hier aufbauen. Mein Leben hat sich bis jetzt immer in Deutschland abgespielt und das wird sich auch in naher Zukunft wohl nicht großartig ändern. Aber trotzdem fühle ich mich kein bisschen Deutsch, sondern durch und durch Tamil. Angefangen von meinen Gedanken bis hin zu meinen Taten; alles lässt sich auf Tamil und Tamil Kultur zurückführen.

Und ich wünsche mir sehr, dass ich, wenn es soweit ist, dass ich sterben muss, ich in meiner Heimat sterben kann. Meine Asche soll über das ganze Land der Tamilen verteilt werden und sich mit dem Sand des eigenen Landes vermengen. Bis dahin will und werde ich einfach nicht sterben. Bis ich die Möglichkeit habe auf Tamil Eelam zu sterben.

3. Wer sich nicht mit dem Fortschritt der Technologie nicht selbst weiterentwickelt, ist kein Entwickler.

Das hier ist mal eine Aussage, die sich nicht mit Tamil oder Tamil Eelam befasst. Es geht hier um das Web. Seit einigen Jahren bin ich im Web unterwegs. Angefangen als kleiner Webdesigner, der nur HTML und CSS kannte, mit Tabellenlayouts gearbeitet hat und JavaScript verabscheut hat, habe ich mich über die Jahre immer weiterentwickelt und kann sagen, dass ich ein fast vollständiger Fullstack-Entwickler bin (nur fast, ich kenne mich mit dem technischen Bereich fast gar nicht aus). In den ganzen Jahren meiner Entwicklung habe ich viele Leute kennengelernt. Viele, die sich selber auch Entwickler nennen. Sei es in der Uni, auf Konferenzen oder bei Projekten, bei denen ich mitgewirkt habe. Und ich habe viele Leute kennengelernt, die einfach in der Zeit stehen geblieben sind. Die Technologie im Web schreitet gnadenlos weiter, aber viele Entwickler bleiben meistens auf der Strecke. So als hätten sie mit dem Platzen der Dotcom-Blase ihren Wissensdurst verloren.

Verdammt schlimm ist es in Deutschland. Okay, vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten Leute, mit denen ich kommuniziere, einfach deutsch sind. Aber viele deutsche Entwickler sind einfach nicht mehr auf dem Stand der Dinge und viel schlimmer noch, sie wollen sich einfach nicht weiterentwickeln. Beispielsweise gibt es immer noch Leute, die nicht einsehen wollen, dass gute Layout viel Weißraum haben und simpel und sauber gestaltet werden. Oder Leute, die einfach nicht einsehen wollen, dass eine „Enter the page“-Seite in den meisten Fällen einfach keinen Mehrwert hat. Am schlimmsten derzeit sind die Leute, die einfach nicht einsehen wollen, dass das Web nicht nur auf dem Desktop funktioniert, sondern auf vielen anderen Geräten auch. Das Web gibt es auf dem Smartphone, auf dem Tablet, auf Netbooks, auf Laptops, auf Desktops und sogar auf riesige TV-Geräte. Und als guter Webdesigner und Entwickler sollte man in der Lage sein das Produkt auf all diesen Geräten vernünftig auszuliefern. Wer den Begriff „responsive Webdesign“ nicht kennt oder nicht einsetzen kann, der ist für mich kein Entwickler.

Mir ist der Hobbyentwickler, der Hobbywebdesigner, der sich mit den modernen Webtechnologien befasst und versucht zu verstehen, lieber als ein alter Hase, der seit 1996 Webseiten entwickelt, diese aber noch jetzt mit Tabellenlayouts umsetzt. Auf der Plattform der-webdesigner.net – leider musste dieses Projekt schließen – gab es einen User, der ein Paradebeispiel für diesen Entwicklertypen war. Er hat dauernd Webseiten präsentiert, die einfach nicht den neuen Standards und Erkenntnissen entsprachen. Er meinte dann immer „Ist zwar nicht soo modern, aber auch nicht schlecht“. Doch, das war grottenschlecht.

Das was ich oben beschrieben hat, gilt nicht nur für das Webdesign, sondern generell für das Web. Für Webtechnologien an sich. Je weiter die wachsen und sich entwickeln, desto weiter muss sich auch der Entwickler sich verbessern und weiterentwickeln. Sonst ist man einfach kein Entwickler (mehr).

4. Ich bin das Bindeglied zwischen dem Außenseiter und dem Helden

Das ist eine echt coole Aussage von mir. Aber irgendwie stimmt das auch. Ich bin einfach ein Typ, der mit fast allen Sorten an Menschen klar kommt. Da ich in den letzten Jahren gefühlsmäßig viel durchgemacht habe, habe ich auch ein Gefühl dafür entwickelt mich gut in die Gefühlswelt von anderen hineinzuversetzen. Das hilft mir verdammt gut mit Leuten auszukommen, denen es an Selbstbewusstsein mangelt, ich bin oft in der Lage deren Selbstbewusstsein zu stärken. Als Tamile bin ich auf Sri Lanka eine Minderheit, das ist wohl auch der Grund warum ich mich meistens automatisch auf die Seite der Schwächeren und Außenseiter schlage.

Auf der anderen Seite bin ich verdammt selbstbewusst, ich weiß was ich kann und ich habe keine Angst mich zu präsentieren. Ich kann meine Gedanken und Ziele gut gegenüber anderen durchsetzen. Und die bereits oben beschriebene Offenheit und Direktheit hilft mir oft in der oberen Liga der Gewinner recht gut mitzuspielen. Ich hab noch nicht viel gerissen, das ich jetzt präsentieren kann(/darf), aber nicht nur ich bin von meinen Qualitäten überzeugt.

Diese Art „Beliebtheit“ auf beiden Seiten, bei den „Gewinnern“ und „Verlierern“ oder „Starken“ und „Schwächeren“, nutze ich oft aus, um beide Parteien zusammenzubringen. Ich helfe Menschen einzusehen, dass jeder gleich ist und jeder mit jedem zurechtkommen kann. Wir sind alle Menschen, wir sind alle gleich.

5. Ich werde irgendwann mal der Präsident der Demokratischen Republik Tamil Eelam

In der Schule war ich verdammt unpolitisch. Neben dem Fach Geschichte und Erdkunde war Politik wohl eines der Fächer, in denen ich nur aus dem Grund schlecht war, weil ich mir einfach nicht die Mühe gegeben hab, da überhaupt etwas zu machen. Das lag aber daran, dass mich die Themen nie interessiert haben. „2.Weltkrieg“ – Wichtig. Jeder sollte die Geschichte kennen. Aber mich haben die ganzen Details nie interessiert. Erdkunde hatte mit Punkten wie „Landflucht“ auch keine Themen, die mich auch nur im Ansatz interessiert haben. Auch das „deutsche politische System“ in Politik hat mit kaum gejuckt.

Aber mit der Zeit sind genau diese Themen die geworden, die mich am meisten interessieren. Weil ich jetzt weiß, wofür ich das brauche. Tamil Eelam.

Ich habe eine Vision. Eine Vision von Tamil Eelam. Eine Vision von Tamil Eelam, wie es wachsen und sich entwickeln würde, wenn wir unabhängig wären. Wenn wir ein unabhängiger Staat wären. Unter Tamilen gibt es so viele, die so mächtig an Wissen sind, dass unser Staat genau der sein würde, den sich die Briten erdacht haben, als man Sri Lanka in der Unabhängigkeit schickte. Ein tamilischer Präsident, der frei handeln könnte, würde das Land so gut nach oben katapultieren, da würde Singapur dagegen alt aussehen.

Und ich habe mir schon so viele Gedanken gemacht, was ich als Präsident machen würde. Und dafür habe ich mich verdammt viel mit Politik befasst. Welches System würde zu uns passen, sowohl gesellschaftlich als auch auf außenpolitischer Ebene. Wie müsste der Staat aufgebaut werden, damit es eine echt Demokratie wird und nicht so endet wie wir aktuell leben. Wie könnte man mit Sri Lanka agieren, Grenzprobleme vermeiden wie in Nord-/Südkorea. Ich habe mir so viele Gedanken gemacht, dass ich mich schon dazu entschieden habe, dass ich mich irgendwann mal als Präsident der kommenden Staates bewerben werde.

Bis dahin ist es aber noch ein verdammt langer Weg. Der Weg in die Unabhängigkeit, mit Zwischenschritten wie Aufklärung der Kriegsverbrechen oder Wahrung der Tamil Kultur.

6. Finde dich nicht mit dem Schicksal ab, versuche es zu verbessern

Dieser Spruch ist bestimmt nicht von mir, sondern von irgendeinem Anderen. Keine Ahnung wer, aber dieser Spruch sitzt tief in mir drin. Gerade Tamilen schieben viele Sachen, die bei ihnen im Leben passieren auf Gott oder das Schicksal. Ich bin aber der Meinung, dass nicht Gott für dein Leben zuständig ist, sondern man selbst. Gott schlägt einem den Weg vor, aber man muss den schon selber gehen und wenn man das nicht packt, dann ist man selbst dran schuld.

Ich sage immer, dass man sich nicht mit der aktuellen misslichen Lage abfinden, sondern sich immer darum bemühen soll, dass man von dieser wegkommt. Es mag zwar vielleicht einen oder mehrere Götter geben, aber es gibt kein Schicksal, den man nicht entkommen kann. Etwas geschieht nur durch das Handeln von Menschen. Und wenn Menschen sich in eine Lage bringen können, können auch die Menschen sich wieder aus dieser Lage bringen. Es gibt immer einen Weg, man muss nur den Willen haben, diesen zu finden.

7. Es gibt Menschen denen fehlt die Gabe Mensch zu sein und es gibt Menschen die mehr als nur Mensch sind

Das ist glaube ich eine der intelligentesten Aussagen, die ich je gemacht habe. Ich glaube, dass ich den Spruch bestimmt irgendwo mal aufgeschnappt habe und der sich deswegen in meinem Kopf eingebrannt hat, weil ich diese Aussage so super finde.

Ich schrieb oben, dass jeder Mensch gleich sei und dass jeder Mensch mit jedem auskommen könnte. Dabei bleibe ich auch. Nur hier die passende Ergänzung: Es gibt einfach Menschen, die keine Menschen sind. Denen fehlen einfach die Eigenschaften wie Mitgefühl, Hilfsbereitschaft oder Menschlichkeit.

Gleichzeitig gibt es auch Menschen, die haben diese Eigenschaften in so großer Menge, dass die fast nur dafür leben, dass andere Menschen gut leben können. Diese sind meiner Meinung auch nicht mehr nur Menschen, sondern „Kinder Gottes“ und das meine ich so. Diese Menschen bewundere, respektiere und verehre ich so wie Götter. Das größte Beispiel sind die Maveerar, die Helden des Tamil Volkes, aber auch Gandhi, Mandela oder Martin Luther King sind Menschen, die ich wie Götter verehre.

8. Denk zuerst an dich bevor du an andere denkst, vergiss sie aber nicht

Das ist eine Aussage, die ich meiner Mom dauernd sage. Sie denkt meistens immer nur an andere und vernachlässigt sich selbst. „Ich möchte, dass es denen gut geht und ich möchte denen helfen“. Das ist meine Mom und wahrscheinlich ist sie auch mit ein Grund, warum ich gerne anderen helfe. Nur in einem viel größeren Maße. Was mir bei ihr aber nicht passt ist, dass sie sich selbst dadurch vernachlässigt. Ich sage dann immer, dass sie sich um sich kümmern soll, weil wenn nicht, wie soll sie dann uns lange erhalten bleiben und langfristig helfen können. Nur egoistisch zu sein ist scheiße, aber sich komplett zu vergessen hilft auch keinem weiter.

9. Es hat noch nie einer gewonnen, der nie was ausprobiert hat

und

10. Fehler machen dich nicht schuldig, Korrektheit nicht heilig

Beide Aussagen sind ebenfalls nicht von mir, sondern habe ich wohl irgendwo mal aufgeschnappt. Aber beide passen echt gut zusammen und sind meiner Meinung nach verdammt wahr. Immer die Angst zu haben, dass etwas schief laufen könnte, bringt einem im Leben nicht weiter. Dann hätten wir einiges an großartigen Erfindungen, die uns im Leben tagtäglich begleiten, nie im Leben gehabt. Man sollte immer Ideen und Visionen die man hat ausprobieren.

Und selbst wenn es mal schief läuft, dann bist du nicht sofort ein schlechter Mensch. Gerade Tamilen haben Angst davor, was die anderen denken und wie einen die anderen verurteilen. Ich finde aber, dass nicht einen Menschen nicht für jeden Fehler, den er im Leben macht, schuldig sprechen muss. Wenn man aus dem Fehler lernt und diesen bereut, dann ist man immer noch auf gutem Wege. Genauso wie nicht jeder Fehler einen zu einem schlechten Menschen macht, so bin ich mir sicher, dass es keinen gibt, der noch keinen Fehler gemacht hat. Egal wie korrekt man sich im Leben verhält, heilig ist man nicht. Ein Mensch ist halt ein Mensch und Menschen machen Fehler.

Das ist jetzt ein verdammt langer Text geworden, aber es hat sich gut angefühlt alle Aussagen von mir mal näher zu erläutern. Ich habe vielleicht euch vielleicht zum Nachdenken angeregt. Vielleicht auch nicht. Aber was ich auf jeden Fall gemacht habe: Ich habe mir mal wieder Zeit genommen und über mich selber nachgedacht. Das sollte jeder mal im Leben tun.

Was mich interessieren würde ist, woher ich einige dieser Aussagen aufgegriffen habe, die sind alle frisch von mir. Falls euch einige dieser Aussagen bekannt vorkommen und ihr wisst, woher diese kommen, dann schreibt mir in den Kommentaren dazu. Ich würde mich gerne mit diesen Menschen näher auseinandersetzen.

Rathes Sachchithananthan

Rathes Sachchithananthan

Hi, ich bin Rathes. Gründer dieses Blogs. Darüber hinaus habe ich Aheenam gegründet, eine Agentur für digitale Lösungen. Dort konzipiere und entwickle ich die digitale Weiterentwicklung meiner Kunden. Ich brenne für das Thema "Tamilen und Tamil Eelam" und bin ein Microsoft-Fanboy. Du findest mich auch auf diversen sozialen Netzwerken

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